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Frankfurts digitales Archiv-Problem: Was jetzt kommt und welche Entscheidungen anstehen
Städtische Einrichtungen und private Unternehmen kämpfen mit einem wachsenden Berg an doppelten Bilddateien. Die Weichenstellungen der nächsten sechs Monate werden Frankfurts digitale Infrastruktur auf Jahre hinaus prägen.
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Wie wir berichtet haben
Frankfurts Kultur- und Wirtschaftsinstitutionen stehen vor einem handfesten Problem: Doppelte digitale Bilder und redundante Dateien verstopfen Server, treiben die Speicherkosten in die Höhe und erschweren die Einhaltung des strengen deutschen Datenschutzrechts. Was lange als lästiges IT-Randproblem galt, ist inzwischen zur Chefsache geworden, befeuert durch steigende Cloud-Speicherpreise und die nahende Frist im Januar 2027, bis zu der öffentlich geförderte Einrichtungen lückenlose DSGVO-konforme Prüfprotokolle vorweisen müssen.
Der Auslöser ist teils technischer, teils finanzieller Natur. Laut einer Marktanalyse des Digitalverbands Bitkom sind die Cloud-Speicherkosten für europäische Unternehmenskunden zwischen 2024 und 2026 um rund 18 Prozent gestiegen. Für Einrichtungen, die Dutzende Millionen Bild-Assets verwalten, Ausstellungskataloge, Architekturunterlagen, Pressebibliotheken, schlägt dieser Preissprung spürbar zu Buche. Doppelte Bilder, die in schlecht gepflegten Medienbibliotheken 30 bis 40 Prozent des Gesamtbestands ausmachen können, treiben die Kosten zusätzlich in die Höhe, ohne einen Mehrwert zu schaffen.
Wo Frankfurt den Druck am stärksten spürt
Zwei Frankfurter Institutionen zeigen exemplarisch, was auf dem Spiel steht. Das Städel Museum am Schaumainkai 63 verwaltet eine der größten digitalisierten Kunstsammlungen Deutschlands mit mehr als 100.000 online katalogisierten Werken. Seit dem Frühjahr 2025 prüfen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter redundante Bilddateien, die im Zuge mehrerer Website-Relaunches entstanden sind, ein Prozess, der überlappende Asset-Bibliotheken in drei verschiedenen Content-Management-Systemen ans Licht gebracht hat. Konkrete Zahlen hat das Museum bislang nicht veröffentlicht, doch allein der Umfang der Prüfung verdeutlicht das Ausmaß des Problems, mit dem vergleichbare Kultureinrichtungen konfrontiert sind.
Auf der Unternehmensseite steht die Messe Frankfurt, deren Campus sich über den Westend-Bereich erstreckt und jährlich Kunden aus über 180 Ländern anzieht. Das Messeunternehmen betreibt Bilddatenbanken für Dutzende gleichzeitig laufende internationale Veranstaltungen. Doppelte Produktbilder, die von Ausstellern eingereicht werden, sind ein chronisches Betriebsproblem, besonders rund um Großmessen wie die Ambiente im Februar oder die Light + Building, die alle zwei Jahre stattfindet. Das Digital-Operations-Team der Messe Frankfurt testet seit Ende 2025 automatisierte Deduplizierungssoftware, als Teil eines umfassenderen IT-Modernisierungsprogramms, das das Unternehmen in seinem Geschäftsbericht 2025 angekündigt hat.
Das Bankenviertel an der Taunusanlage steht vor ähnlichen Herausforderungen. Die Post-Brexit-Konsolidierung hat Dutzende internationale Finanzunternehmen nach Frankfurt gezogen, jedes mit eigenen gewachsenen Systemen für Bild- und Marken-Assets. Diese Bibliotheken sauber zusammenzuführen, ohne lizenzrechtliche, urheberrechtliche oder datenschutzbezogene Risiken, hat sich als weit komplexer erwiesen, als die ursprünglichen Migrationsprojekte erwarten ließen.
Die Entscheidungen, die nicht warten können
Entscheidungsträger in Frankfurts öffentlichem und privatem Sektor stehen nun vor drei zentralen Weichenstellungen. Erstens: Sollen KI-gestützte Deduplizierungstools eingesetzt werden? Sie können große Bibliotheken zwar schnell verarbeiten, bringen aber eigene Prüf- und Transparenzpflichten mit sich, bedingt durch den EU-KI-Act, der im August 2026 vollständig in Kraft getreten ist. Zweitens: Soll das Asset-Management auf einer zentralen Plattform gebündelt oder sollen verteilte Systeme beibehalten werden? Diese Frage hat unmittelbare Konsequenzen für die DSGVO-Konformität und die Abhängigkeit von Anbietern. Drittens: Wer trägt die Verantwortung für Deduplizierungsentscheidungen, wenn Assets mehrere Abteilungen oder juristische Einheiten betreffen? Diese Governance-Lücke hat bereits mehrere Projekte ins Stocken gebracht.
Das städtische Digitalisierungsprogramm, die Initiative Digitale Stadt Frankfurt, die vom Römer-Rathaussitz aus koordiniert wird, ringt mit denselben Fragen in Bezug auf die kommunalen Bildarchive. Das Programm hat das erklärte Ziel, bis Ende 2026 eine digitale Asset-Prüfung in allen Stadtämtern abzuschließen. Ein ambitionierter Zeitplan, zumal einige Ämter ihre Bildbibliotheken noch immer auf veralteten Systemen aus den frühen 2010er-Jahren betreiben.
Frankfurts IT-Dienstleistungssektor, der sich rund um Sachsenhausen und die ehemaligen Industrieflächen nördlich des Ostends konzentriert, hat begonnen, spezialisierte Beratungspakete zur Deduplizierung anzubieten. Für Audits mittelgroßer Unternehmen beginnen die Preise bei rund 15.000 Euro, komplexe Mehrсистемprojekte können deutlich teurer werden. Die Nachfrage ist seit dem ersten Quartal 2026 stark gestiegen.
Der Rat technischer Fachleute ist eindeutig: Einrichtungen, die bis September zuwarten, riskieren, das Zeitfenster für eine geordnete Bereinigung vor dem DSGVO-Prüfzyklus im Januar 2027 zu verpassen. Eine reaktive Aufräumaktion unter Compliance-Druck kostet erfahrungsgemäß zwei- bis dreimal so viel wie ein vorausschauend geplantes Projekt. Frankfurts Institutionen wurden gewarnt. Die Uhr läuft.